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Gedanken zum Thema Portrait

1. Portraitfotografie

1.1 Warum Thema Portrait:

Als Alternative zu den anderen beiden Projekten,
viele TN interessieren sich für die Portraitfotografie.

Auch zum (dezenten) Blitzen Üben gedacht.
Bewusstes Einsetzen von Licht, incl. Hilfsmitteln (Aufheller, Reflektor, Blitz),
Auswahl von Kulisse und Hintergrund.
„Dirigieren“ des Modells.

Hier kann ich mehr Technik zeigen/erklären als bei den anderen Themen.

1.2 Location:

Trotz einiger Überlegungen erscheint mir immer noch das Glände rund um das Gewerbemuseum-Cinecitta-iMax als das Vielseitigste. (Modern, Alt, Natur, Gebäude, innen und außen) bieten für jeden Stil etwas.
Nicht zu unterschätzen ist die Regenunabhängigkeit! Man kann ins Cine (und hat durch die großen Fenster jede Menge Licht) oder ins Gewerbemuseum (interessante Kulisse) oder man geht ins Café dort (bitte um Erlaubnis fragen).
(Alternativ evtl. Nordostbahnhof/Leipiger Platz)

1.3 Hintergrund und Licht:

Ruhige, nicht zu detailreiche Hintergründe wirken oft besser da ruhiger. Letzten Endes kommt es aber darauf an, was Ihr vorhabt. Selbstverständlich ist es nicht prinzipiell die Vorgabe, das Portrait mit dem Teleobjektiv und offener Blende zu fotografieren. Allerdings ist es die „klassische“ Art und Weise.
Je näher der zu Portraitierende am Hintergrund steht, desto gleichförmiger sollte der Hintergrund sein (da die Schärfentiefe sich erst ab einer gewissen Distanz auswirkt und Eure Objektive meist keine wirklich große Anfangsöffnung haben).

Damit sich Euer Modell vom Hintergrund besser trennt, sollten dunkelhaarige Personen nicht vor einem dunklen Hintergrund, blonde Personen nicht vor einem hellen Hintergrund fotografiert werden. (Kontrast)
Ob Ihr einen modernen oder einen konservativen Hintergrund wählt, ist Geschmackssache.
Mehr Umfeld auf dem Bild zu haben ist natürlich schwieriger als ein – vom Teleobjektiv – eng begrenztes Foto zu machen, aber erst das Umfeld schafft „Atmosphäre“ und „Stimmung.“

Die Voraussetzung bei der Wahl der Kulisse und des Hintergrundes ist das Licht.
Ein hartes Mittagslicht im Sommer kann selbst das schönste Modell entstellen (weil dann die Augen im Schatten liegen und der Nasenschatten sehr lange wird). Wenn Euer Modell Schwierigkeiten hat, bei hellem Sonnenlicht die Augen zu öffnen, solltet Ihr es lieber ins Gegenlicht stellen. Dann müsst Ihr aber auf Lichteinfall im Objektiv achten, eine Gegenlichtblende benutzen und/oder die Frontlinse des Objekitves mit der Hand abschatten!

Das ideale Licht ist vormittags oder nachmittags bei schon relativ tief stehender Sonne (oder zwischen Herbst und Frühjahr nahezu ganztägig. Dann können wir zwischen direktem, seitlichem Licht oder Gegenlicht wählen. Bei sehr grellem, seitlichem Licht ist eine Aufhellung mit einem weißen Karton oder Styropor sinnvoll. (Siehe auch „Hilfsmittel“ weiter unten.)

1.4 Belichtungsmessung:

Bei der Portraitfotografie kommt es natürlichin erster Linie auf das Gesicht des zu Portraitierenden an. Da der Hintergrund oft deutlich andere Lichtverhältnisse aufweist als das Gesicht unseres Modells, müssen wir manuell nur auf das Gesicht messen und diese Belichtung einstellen. Damit stellen wir sicher, dass der Hintergrund keinen Einfluss auf die Belichtung hat. Dazu gehen wir mit der Kamera so nahe an das Modell heran, dass der Hautton das Sucherbild ausfüllt und stellen (mit vorgewählter, möglichst offener Blende) die notwendigeVerschlußzeit ein. Jegliche Automatik würde das Belichtungsergebnis verfälschen, wenn das Gesicht des Modells nicht in der Mitte des Suchers ist.

Zum Nachlesen:

Belichtung messen

Der Belichtungsmesser 1

Der Belichtungsmesser 2

1.5 Hilfsmittel:

Um Schatten bei zu hartem Licht aufzuhellen, bieten sich weiße Kartons, Styroporplatten aus dem Baumarkt oder ein Rahmen, bespannt mit dünnem Stoff an. Extremer sind mit (zerknitterter) Alufolie beklebte Kartons. Das wirkt allerdings fast wie ein Spiegel, sodass Euer Modell meist Probleme haben wird, die Augen offen zu halten.

Diesem Problem könnt Ihr begegnen, indem Ihr die “Fill-in” Blitzfunktion des in der Kamera eingebauten oder eines externen Blitzes nutzt. Wie auch immer – ich finde einen dezent eingesetzten Blitz schöner als einen zu offensichtlichen, denn wenn der Blitz „hart“ und direkt von vorne kommt, sieht das meist nicht allzu attraktiv aus.

1.6 Vorgehen:

oder: Atmosphäre und “Psychologie”

Viele Menschen fühlen sich vor der Kamera nicht besonders wohl oder sehen auf Bildern “unnatürlich” aus, weil sie sich vor der Kamera anders verhalten als normal.
Als Fotograf könnt Ihr Euch hinter Euerer Kamera verstecken und schafft damit eine “unpersönliche Distanz.” So könnt Ihr auch nicht erwarten, mit einer oder zwei Belichtungen natürliche, schöne Fotos von Eurem Modell zu erhalten.

Euere Aufgabe als Fotograf ist es, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und dem Modell die Unsicherheit zu nehmen. Ihr müsst Euerem Modell mitteilen, welche Mimik, welcher Gesichtsausdruck gut aussieht und was Euch nicht gefällt. Ihr solltet eine Art “Spiegel” für Euer Modell sein. Nehmt Euch Zeit und macht nicht weniger 20-30 Belichtungen von Euerem Modell. Falls möglich (am Cinecitta sind jede Menge Stühle), lasst das Modell setzen oder anlehnen damit sich das Modell auch wirklich entspannen kann. Und ein lockerer Spruch bringt oft auch das verkrampfteste Modell zu einem natürlichen Lachen.